Editorial

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Shopping neu denken im Westfield London.

Weitsicht in Zahlen

Perspektive Zukunft.

12 Monate in 120 Sekunden

Das Geschäftsjahr im Überblick.

Jahresbericht 2015/2016

Immobilienmärkte
und -aktivitäten

Wirtschaft

In der Europäischen Union waren 2015 die abebbende Staatsschuldenkrise und ein drohender Grexit lange vorherrschende Themen, bis die Flüchtlingskrise in der zweiten Jahreshälfte die Politik und die öffentliche Debatte dominierte. Die Wirtschaft der Eurozone konnte 2015 mit 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (0,9 Prozent) weiter zulegen. Für das Jahr 2016 gehen wir davon aus, dass die Wirtschaft im Euroraum um 1,3 Prozent wachsen wird, und voraussichtlich wird das Wachstum auch in den kommenden Jahren in dieser Größenordnung liegen – eine durchgreifende Erholung ist derzeit in Europa nicht in Sicht. Das Bild eines etwas schwächeren Wachstums 2016 im Vergleich zu 2015 trifft auf fast alle europäischen Länder zu. Gründe für unseren eher verhaltenen Ausblick sind der stärker werdende Gegenwind von der Weltwirtschaft, die immer noch hohen, privaten und staatlichen Verschuldungen in einigen EU-Mitgliedsstaaten sowie die schleppende Umsetzung von Reformen. Hinzu kommt, dass der positive Effekt des schwachen Euros langsam nachlässt. Gut entwickelt haben sich dagegen die Arbeitslosenzahlen. Über das Jahr ging die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen in der Europäischen Union um 2 Millionen zurück, wodurch die Arbeitslosenquote nach Zahlen von Eurostat um fast einen Prozentpunkt auf 8,9 Prozent Anfang 2016 sank.

Deutschland war 2015 wieder der stabile Anker in der Eurozone. Die deutsche Wirtschaft, mit ihren guten Arbeitsmarktzahlen und dem Konsum als treibende Kräfte, konnte im vergangenen Jahr um 1,7 Prozent wachsen. Mit 1,3 Prozent liegt das für dieses Jahr prognostizierte Wachstum niedriger als 2015. Grund dafür ist unter anderem die nachlassende Nachfrage aus den Schwellenländern, insbesondere aus China, einem wichtigen Handelspartner Deutschlands. Zudem stehen die Gewinnmargen der Unternehmen durch steigende Löhne unter Druck, und die positiven Effekte durch den schwachen Euro und den niedrigen Ölpreis lassen langsam nach. Positiv wirken hingegen der gesunde private und öffentliche Verbrauch. Während ersterer durch höhere Löhne und geringere Finanzierungskosten getrieben wird, sind es beim zweiten insbesondere die Ausgaben zur Bewältigung der Flüchtlingskrise, die die öffentlichen Investitionen steigen lassen.

In Österreich wird das Wirtschaftswachstum auch 2016 nur unterdurchschnittlich bleiben. Zwar zeigen einige Indikatoren an, dass die Wirtschaft wieder Schwung aufnimmt, doch die Sorgen um die Entwicklung in Osteuropa wollen nicht weichen. Wir erwarten, dass die österreichische Wirtschaft 2016 mit einem Plus von 1,0 Prozent weniger schnell wächst als die der Europäischen Union insgesamt.

In Portugal bereiten die Pläne der neuen linksgerichteten Regierung, den Sparkurs aufzuweichen und Reformen wieder rückgängig zu machen, Sorgen. Dies kann die gerade erst spürbare wirtschaftliche Erholung wieder ins Stocken bringen. Wir gehen derzeit davon aus, dass die portugiesische Wirtschaft 2016 um 1,2 Prozent zulegen wird. In Spanien wuchs die Wirtschaft 2015 kräftig. Dies ist zu großen Teilen den Arbeitsmarktreformen der alten Regierung zu verdanken, die unter anderem dazu führten, dass die Arbeitslosenquote von ihrem Hochstand von 26 Prozent 2013 auf knapp 21 Prozent sank. Unternehmen haben ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Es steht jedoch zu befürchten, dass eine neue Regierungskoalition nicht stark genug sein wird, um den Reformweg weiter zu verfolgen. Auch Italien hat es 2015 aus der Rezession geschafft und konnte erstmals seit 2011 eine positive Bilanz ziehen. Die nach der Finanzkrise beschlossenen Reformen zeigen Wirkung, die Stimmung hat sich im letzten Jahr aufgehellt. Trotzdem kommt die Wirtschaft nicht richtig in Schwung, sie wird mit 1,0 Prozent Wachstum auch 2016 nur unterdurchschnittlich stark wachsen. Frankreich hat immer noch mit einer relativ hohen Arbeitslosenquote von knapp über 10 Prozent zu kämpfen. Die Massenproteste Anfang 2016 gegen die Aufstockung der Wochenarbeitszeit von derzeit 35 Stunden geben einen Eindruck, wie schwer es für die wenig beliebte Regierung von François Holland ist, Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durchzusetzen. Wir gehen davon aus, dass die französische Wirtschaft im Jahr 2016 um 1,0 Prozent zulegt und die Arbeitslosenquote nur wenig abnimmt.

In Großbritannien ist die wirtschaftliche Lage spürbar besser als im Süden Europas, doch führt die Unsicherheit über den Ausgang des für Juni 2016 angesetzten Referendums über den Austritt des Landes aus der EU (Stichwort Brexit) bei Unternehmen und Investoren zu Zurückhaltung. Wir gehen davon aus, dass das Vereinigte Königreich in der EU bleibt und die britische Wirtschaft 2016 um 2,1 Prozent wachsen wird. Sollten die Briten mehrheitlich für einen Austritt aus der Gemeinschaft stimmen, muss mittelfristig von einer Phase des Umbruchs und damit auch einem schwächeren Wirtschafts- und Konsumwachstum ausgegangen werden.

Der private Konsum in den Niederlanden kommt nur langsam in Schwung. Vor dem Hintergrund der Stabilisierung am privaten Immobilienmarkt hat sich die Stimmung bei den Konsumenten aufgehellt. Wir erwarten, dass der Konsum 2016 ein wichtiger Antreiber für die niederländische Wirtschaft sein wird. Noch ist die Arbeitslosenquote allerdings mit 6,5 Prozent für niederländische Verhältnisse hoch und mit einer Wachstumsprognose von 1,5 Prozent für dieses Jahr wird sich das Tempo im Vergleich zum Vorjahr verlangsamen. In Belgien haben die Anschläge vom März 2016 nur einen kurzfristigen negativen Effekt auf die Wirtschaft gehabt. Besonders das Tourismusgewerbe Brüssels spürt die Nachwirkungen der Anschläge. Unabhängig davon erholt sich die belgische Wirtschaft nur sehr schleppend und bleibt hinter ihrem Potenzial zurück. Wir erwarten, dass das Wachstum in diesem Jahr bei 1,5 Prozent liegen wird.

Das Wachstumstempo Schwedens wird 2016 voraussichtlich auf dem gleichen Niveau wie 2015 liegen. Vor dem Hintergrund eines relativ starken Exportsektors und eines starken Konsums sollte die schwedische Wirtschaft ihr gutes Wachstumstempo auch 2016 mit 3,8 Prozent aufrecht halten können. Die Wirtschaft Finnlands dagegen hat sich bis heute nicht von der Wirtschafts- und Finanzkrise und der Rezession zwischen 2012 und 2014 erholt. Zwar hat das Land diese Rezession 2015 mit 0,4 Prozent hinter sich gelassen, doch die mittelfristig nur schwachen Wachstumsaussichten (2016: 0,6 Prozent) sorgten unter anderem dafür, dass die US-Ratingagentur Fitch Finnland Anfang 2016 in ihrer Bewertung leicht zurückgestuft hat.

In Polen stehen die teilweise umstrittenen Pläne der Regierung zum Umbau des politischen Systems im Zentrum der öffentlichen Diskussion. Sie verunsichern Investoren und haben so Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. Wir gehen davon aus, dass die polnische Wirtschaft 2016 um 3,1 Prozent wachsen wird. Dies ist zwar weniger als noch im Vorjahr, aber weiterhin das stärkste Wachstum unter den größeren Ländern der EU. In Tschechien wird die Wirtschaft 2016 deutlich weniger zulegen als 2015, denn das starke Wachstum des vergangenen Jahres von 4,2 Prozent wurde durch Investitionsprogramme der EU befeuert, die in diesem Jahr nicht mehr zum Tragen kommen werden. Für 2016 gehen wir davon aus, dass die Wirtschaft des Landes um 2,5 Prozent expandiert und besonders der private Konsum zum Wachstum beitragen wird.

Die Türkei konnte 2015 mit einem Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr etwas zulegen. Für 2016 erwarten wir 3,1 Prozent, da unter anderem die innertürkischen Spannungen, die schwache Lira und der Rückgang im Tourismusgeschäft die wirtschaftliche Entwicklung hemmen. Hinzu kommt, dass auch das große Handelsdefizit das Wachstum der Wirtschaft einschränkt.

In Asien trübt die Schwäche Chinas die Stimmung. So ist Singapurs Wirtschaft im letzten Jahr um nur 2,0 Prozent gewachsen und damit so schwach wie seit Jahren nicht mehr. Durch die starke Exportorientierung hängt die wirtschaftliche Entwicklung des Stadtstaates von seinen Handelspartnern ab. Aufgrund der globalen Wachstumsschwächen ging 2015 die Nachfrage nach Produkten aus Singapur zurück, was vor allem der produzierende Sektor zu spüren bekam. Zudem haben es aufgrund von administrativen Hürden Unternehmen zunehmend schwer, ausländische Arbeitskräfte einzustellen. Vor diesem Hintergrund wird die Wirtschaft Singapurs 2016 voraussichtlich um nur 1,5 Prozent expandieren, das schwächste Wachstum seit der Rezession vor sechs Jahren.

Japans Wirtschaft konnte im letzten Jahr lediglich um 0,5 Prozent zulegen. Nach wie vor hat Japan mit dem Gespenst einer Deflation zu kämpfen, die von der Regierung verabschiedeten Reformen zeigen fast keine Wirkung. Die Versuche des Staates, mit immer mehr Geld die Konjunktur anzukurbeln, haben zwar das Staatsdefizit in besorgniserregende Höhen getrieben, aber offensichtlich wenig Spuren in der Wirtschaftsstatistik hinterlassen. Der für 2017 geplante zweite Schritt der Mehrwertsteuerhöhung wird sich, wie schon der erste Schritt Anfang 2014, negativ auf den privaten Konsum auswirken. Bleibt zu hoffen, dass die staatlichen Maßnahmen bis dahin die erhofften Früchte tragen und die negativen Effekte abfangen können. Wir erwarten allerdings für 2016 – trotz aller Interventionen – ein Wachstum von nur 0,5 Prozent.

Eines der wenigen Länder des asiatisch-pazifischen Raumes, in dem wir in diesem Jahr ein stärkeres Wirtschaftswachstum als 2015 erwarten, ist Australien. Nach 2,4 Prozent im Jahr 2015 gehen unsere Prognosen für 2016 von 2,7 Prozent aus. Die australische Wirtschaft hängt zu einem erheblichen Maß von der Nachfrage nach Rohstoffen ab. Deshalb ist die Nachfrage der Schwellenländer nach diesen, wieder einmal allen voran aus China, von großer Bedeutung für die mittelfristige Entwicklung der australischen Konjunktur. Unterstützung bekommt die Wirtschaft von den niedrigen Zinssätzen und dem damit angetriebenen privaten Konsum.

In den USA ist der Arbeitsmarkt die treibende Kraft. Dank der niedrigen Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent und der guten Einkommenssituation haben viele US-Amerikaner Geld in der Tasche, was den privaten Konsum ankurbelt. Das Wachstum von 2,4 Prozent im letzten Jahr wird 2016 voraussichtlich durch die schwachen Exporte und den Rückgang bei den Ausrüstungsinvestitionen gebremst. Wir erwarten in diesem Jahr deswegen mit 2,0 Prozent ein etwas schwächeres Wachstum.

Die Weltwirtschaft insgesamt wuchs im letzten Jahr um 2,9 Prozent, und wir gehen davon aus, dass sie in diesem Jahr in der selben Größenordnung zulegen wird. Der Aufschwung bleibt fragil.

Wirtschaftswachstum in % p.a.


Tabelle anzeigen
2014 2015 Prognose 2016 Prognose 2017
Australien 2,6 2,4 2,7 2,7
Belgien 1,1 1,4 1,5 1,5
Deutschland 1,6 1,7 1,3 1,3
Finnland – 0,4 0,4 0,6 1,1
Frankreich 0,2 1,2 1,0 1,2
Großbritannien 2,8 2,2 2,1 2,2
Italien – 0,4 0,6 1,0 1,0
Japan – 0,1 0,5 0,5 0,5
Luxemburg 4,1 5,0 3,1 3,0
Niederlande 1,0 1,9 1,5 1,6
Österreich 0,5 0,8 1,0 1,3
Polen 3,4 3,6 3,1 3,2
Portugal 1,0 1,5 1,2 1,4
Schweden 2,4 3,8 3,8 2,8
Singapur 3,3 2,0 1,5 2,1
Spanien 1,4 3,2 2,9 2,5
Tschechien 2,0 4,2 2,5 2,8
Türkei 2,9 3,3 3,1 3,6
USA 2,4 2,4 2,0 2,2
Euroraum 0,9 1,5 1,3 1,5
Welt 3,2 2,9 2,8 3,1

Investmentmarkt

Das weltweite Investitionsvolumen in gewerbliche Immobilien hat im Vergleich zum Vorjahr leicht, nämlich um 2 Prozent, abgenommen. Grund dafür ist der Rückgang der Investitionen in Asien (– 22 Prozent). In den USA und in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten hingegen wurde 2015 mehr in Gewerbeimmobilien investiert als 2014. Deutlich zulegen konnten Wohnimmobilien (+ 28 Prozent gegenüber 2014) und Hotels (+ 29 Prozent), während das Transaktionsvolumen bei den Büroimmobilien stagnierte und bei Projektentwicklungen rückläufig war (– 24 Prozent). Insgesamt wurden 2015 rund 1,5 Billionen US-Dollar in gewerbliche Immobilien investiert. Ohne den Handel mit Projektentwicklungen hatte Amerika (460 Milliarden US-Dollar und + 24 Prozent gegenüber 2014), gefolgt von EMEA (305 Milliarden US-Dollar, + 3 Prozent), den größten Anteil am weltweiten Marktgeschehen.

In der asiatisch-pazifischen Region wurden 2015 rund 132 Milliarden US-Dollar investiert, ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dass das Jahr nicht besser ausfiel, lag an einem relativ schwachen Jahresabschlussgeschäft. Wir gehen davon aus, dass dieses vierte Quartal keine Trendwende einläutete, sondern Ausdruck einer gestiegenen Vorsicht ist. Für dieses Jahr erwarten wir ein etwas geringeres weltweites Transaktionsvolumen als 2015.

New York und London sind nach wie vor die weltweit attraktivsten Städte für Immobilien- investoren. Allein in New York wurden 2015 mit einem Volumen von rund 79 Milliarden US- Dollar mehr Immobilien gehandelt als in ganz Deutschland (ca. 70 Milliarden US-Dollar). In London lag das Transaktionsvolumen, welches über alle Immobilienklassen hinweg ermittelt wurde, bei 54 Milliarden US-Dollar.

Verlassen wir kurz die globale Sicht und schauen auf Europa und den dortigen Handel mit Immobilien in Euro gemessen. Der liquideste Markt ist und bleibt das Vereinigte Königreich: 2015 wurden hier gewerbliche Immobilien im Wert von 90 Milliarden Euro gehandelt, das sind rund 25 Prozent mehr als 2014. Deutschland steht mit 66 Milliarden Euro (+ 30 Prozent) auf dem zweiten Platz, gefolgt von Frankreich, das mit 30 Milliarden Euro ein Plus von 16 Prozent gegenüber 2015 vermelden konnte. London bleibt die europäische Stadt, die mit einem Plus von 40 Prozent gegenüber 2014 und einem Transaktionsvolumen von 48 Milliarden Euro 2015 die größte Aufmerksamkeit der Investoren auf sich zog.

Die Suche nach sicheren Anlagen bescherte auch 2015 den deutschen Städten größere Zuwächse und hohe Transaktionsvolumina. An dieser Stelle sei die Region Berlin erwähnt, die mit 11 Milliarden Euro nach London und Paris (22 Milliarden Euro) an dritter Stelle in Europa steht. Die Rückkehr der südeuropäischen Peripherie auf die Investorenlandkarte zeigen eindrucksvoll die Veränderungen des Investmentgeschäftes zwischen 2014 und 2015. Allen voran seien hier Lissabon (+212 Prozent), Mailand (+150 Prozent) und Madrid (+43 Prozent) erwähnt, die deutliche Steigerungen, allerdings auf einem eher moderaten Niveau, registrierten.

Der Mangel an Anlagealternativen hat 2015 den Druck auf die Assetklasse Immobilie hochgehalten. In Folge sanken nach unseren Berechnungen die Ankaufsrenditen über das vergangene Jahr in allen Regionen. Die Preise bewegen sich inzwischen vielerorts auf historischen Höchstständen, dennoch sind sie weiterhin, gemessen an der risikoarmen Anlage einer 10- jährigen Staatsanleihe, attraktiv. Wir gehen davon aus, dass der Anlagedruck in Europa und Asien auch 2016 die Preise unter Aufwärtsdruck setzen wird, wenn auch nicht mehr mit derselben Dynamik wie in den vergangenen Jahren. Für die USA erwarten wir eine Stagnation der Preise auf hohem Niveau.

Abseits der klassischen Immobiliensektoren Büro, Einzelhandel, Wohnen, Hotel und Logistik haben sich weitere Sektoren, wie zum Beispiel Mikroapartments, Seniorenwohnungen oder Datacenter, etabliert. Mit Blick auf die demographische und technische Entwicklung werden diese zukünftig eine größere Rolle spielen, aber auf absehbare Zeit keine signifikanten Transaktionsvolumina binden können.

Büromärkte

Unser Spitzenmietpreisindex der 42 wichtigsten Bürostandorte weltweit stieg 2015 um 4 Prozent an. * Damit setzt sich der seit 2010 zu beobachtende positive Trend fort, und unser Index ist nicht mehr weit von dem letzten zyklischen Höhepunkt vom Herbst 2008 entfernt. Getrieben wurde unser globaler Mietpreisindex vor allem durch den Anstieg in den USA (5,7 Prozent p. a.). In den asiatisch-pazifischen Märkten stiegen die Spitzenmieten über das Jahr um 3,5 Prozent, gefolgt von Europa mit 2,7 Prozent.

Globaler Mietpreisindex (1999 - 4. Quartal 2015) in %

In Europa sahen wir das stärkste Mietpreiswachstum in Dublin (+ 22 Prozent p. a.) und den spanischen Märkten Madrid (+ 13 Prozent) und Barcelona (+ 16 Prozent), wo sich die Spitzenmieten zusehends von dem starken Einbruch im Zuge der Staatsschuldenkrise nach 2007 erholen. Noch ist Luft nach oben und wir erwarten, dass die Spitzenmieten dort in diesem Jahr weiter steigen. Wir gehen allerdings nicht davon aus, dass die Höchstmieten des letzten Zyklus in den genannten Städten wieder erreicht werden.

Auch in Großbritannien legten 2015 die Spitzenmieten überdurchschnittlich zu. Das Wirtschaftswachstum macht sich in Form von expandierenden Unternehmen und eines erhöhten Flächenbedarfs, auch auf dem Büroimmobilienmarkt bemerkbar. In der Londoner City, wo die Mieten im letzten Jahr um 8 Prozent stiegen, werden heute wieder Höchstpreise gezahlt – Spitzenmieten, die in keiner anderen europäischen Stadt nur annähernd erreicht werden. Mit Spannung wird das Ergebnis des Referendums über den Verbleib des Landes in der EU erwartet.

Unter den sieben wichtigsten Bürostandorten in Deutschland stach Berlin im vergangenen Jahr mit einem Mietpreiswachstum von 7 Prozent heraus. Der Büroflächenumsatz schlug alle Rekorde. Damit nahm die deutsche Hauptstadt hier erstmals die Spitzenposition unter den deutschen Städten ein. Die Wirtschaft der Hauptstadt boomt und die Nachfrage nach Büroflächen im Herzen Berlins ist groß, was die Mieten auch in diesem Jahr weiter nach oben treiben wird. Mit Steigerungen zwischen 1 und 2 Prozent fiel das Spitzenmietpreiswachstum über 2015 in Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart eher schwach aus. In Köln und Düsseldorf gab es 2015 im Vergleich zum Vorjahr keine Veränderung. Außer in Köln sind die Spitzenmieten des letzten Zyklushöhepunkts 2007 / 08 in allen anderen deutschen Topstädten bereits erreicht beziehungsweise überschritten. Die Leerstände liegen teilweise auf einem sehr niedrigen Niveau, so dass beispielsweise im Zentrum Münchens bereits von Vollvermietung gesprochen werden kann.

In der Hauptstadt des Nachbarlands Frankreich gab die Spitzenmiete dagegen nach. Dieser Rückgang war im Pariser Zentrum moderat. Im Teilmarkt La Défense allerdings mit – 6 Prozent deutlich. Dennoch war 2015 kein schlechtes Vermietungsjahr. Die Nachfrage im Zentrum der französischen Hauptstadt war groß und entsprechend positiv der Umsatz. Dank des regen Vermietungsgeschäftes sank der Leerstand und liegt jetzt bei rund 9 Prozent. Für dieses Jahr erwarten wir bei den Spitzenmieten keine nennenswerten Veränderungen.

In Amsterdam sank der seit Jahren hohe Leerstand dank eines regen Vermietungsmarktes und der Umnutzung einer Reihe von ehemaligen Bürogebäuden. Unter anderem wurden leerstehende Bürogebäude in Flüchtlingsunterkünfte umgewandelt. Die Spitzenmiete blieb über 2015 nahezu gleich, und wir rechnen auch 2016 nicht mit einer Veränderung. Die Nachfrage nach erstklassigen Immobilien ist auf einem soliden Niveau. Wir gehen deshalb davon aus, dass die Spitzenmiete mittelfristig steigen wird.

Auch in Brüssel sahen wir im letzten Jahr keine Veränderung bei der Miete. Insgesamt war 2015 ein schwaches Jahr für den Brüsseler Büromarkt. Besonders die Nachfrage nach Büroflächen aus dem ansonsten dominierenden öffentlichen Sektor enttäuschte. Da es keine spekulativen Fertigstellungen gab und sich auch sonst wenig auf dem Vermietungsmarkt bewegte, verharrte der Leerstand knapp unter 10 Prozent. Wir gehen davon aus, dass 2016 etwas Belebung auf den Brüsseler Markt kommen wird und nach Jahren der Stagnation auch die Spitzenmiete steigt.

In Prag gab es bei der Spitzenmiete und dem Leerstand über 2015 kaum Veränderungen. Es sieht danach aus, als ob der Tiefpunkt des aktuellen Zyklus durchschritten ist. Die Flächenumsätze auf dem Vermietungsmarkt waren geprägt von Neuverhandlungen bestehender Mietverträge und Umzügen innerhalb von Gebäuden. Dies rührt unter anderem daher, dass viele Gebäude in Prag veraltet sind und nunmehr nach und nach modernisiert werden. Da 2016 voraussichtlich wenige neue Flächen auf den Markt kommen, werden Revitalisierungen und Neupositionierungen weiterhin eine wichtige Rolle spielen und dazu beitragen, den Leerstand von derzeit 14 Prozent langsam abzubauen.

Warschau hat mit einem ebenso hohen Leerstand zu kämpfen und es befindet sich eine Vielzahl von Objekten im Bau, die 2016 auf den Markt kommen werden. Es ist deswegen davon auszugehen, dass der Leerstand mittelfristig weiter steigen wird. Dieser Leerstand besteht zu einem großen Teil aus veralteten Flächen aus den 90er Jahren. Die Nachfrage nach modernen Bürogebäuden ist hoch, doch verschärft sich durch die Vielzahl der Neubauten die Konkurrenz unter den Vermietern, weshalb die Spitzenmiete im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent nachgab. Dieser Abwärtstrend wird sich mittelfristig, wenn auch moderater, fortsetzen.

Auf dem Büromarkt Singapurs macht sich die kraftlose wirtschaftliche Entwicklung in Form von sinkenden Mieten und steigenden Leerständen bemerkbar. Viele Unternehmen sehen sich Herausforderungen auf ihren jeweiligen Märkten gegenüber und halten sich deswegen mit Entscheidungen zurück. Es wird eine Weile dauern, bis die in diesem Jahr neu hinzukommenden Büroflächen und das reichhaltige Angebot an Untermietflächen vom Markt absorbiert sein werden. Die Spitzenmiete ist über das vergangene Jahr um rund 5 Prozent gesunken, und wir gehen davon aus, dass mittelfristig mit weiter sinkenden Mieten zu rechnen ist.

In Tokio stieg die Spitzenmiete das dritte Jahr in Folge, und trotz der eher durchwachsenen wirtschaftlichen Aussichten schauen Unternehmen und Konsumenten relativ zuversichtlich in die Zukunft. Der Leerstand hat sich seit seinem Höhepunkt 2011 mehr als halbiert, nur noch 4 Prozent des Bestandes stehen für Anmietungen zur Verfügung. Wir sind deswegen zuversichtlich, dass die Spitzenmiete auch in den kommenden Jahren steigt. Das Niveau des letzten Markthöhepunktes im Winter 2007 wird allerdings in diesem Zyklus nicht mehr erreicht.

Der Büromarkt Australiens ist zweigeteilt: Während die von Rohstoffen abhängigen Märkte Brisbane und Perth weiterhin mit sinkenden Mieten und steigenden Leerständen zu kämpfen haben, ist es in Melbourne und Sydney genau umgekehrt. In Sydney, der Stadt mit den meisten Bürobeschäftigten auf dem Kontinent, stieg die Spitzenmiete 2015 um gute 4 Prozent an. Seit Herbst 2009 kennt die Mietentwicklung in Sydney nur diese Richtung. Vor dem Hintergrund eines sinkenden Angebots an freien Büroflächen und einer überschaubaren Bautätigkeit erwarten wir, dass Mieter hier mittelfristig noch tiefer in die Tasche greifen müssen, um moderne Flächen in guten Lagen anzumieten.